Carl von Ossietzky

In diesem Haus wirkte Carl von Ossietzky, Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“. Als Journalist und Pazifist warnte er vor Militarismus und Nationalismus in der Weimarer Republik und erhielt 1936 den Friedensnobelpreis.

Carl von Ossietzky (*1889 †1938), Schriftsteller und Symbolfigur des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime, war ein genauer Beobachter und scharfsinniger Analyst der politischen Verhältnisse seiner Zeit. Bereits im Kaiserreich forderte er mehr Demokratisierung, warnte früh vor der Gefahr eines heraufziehenden Krieges und kämpfte gegen Militarismus, Aufrüstung und Kriegshetze.

Carl von Ossietzky veröffentlichte 1911 seinen ersten Artikel in der Zeitung Das freie Volk. Im Jahr 1914 wurde er erstmals wegen „Beleidigung der Militärgerichtsbarkeit“ zu einer Geldstrafe verurteilt. Seine Kriegserlebnisse prägten ihn nachhaltig. Im Ersten Weltkrieg erlebte er die Schlacht von Verdun. Er kehrte als überzeugter Pazifist zurück und schrieb fortan Artikel gegen die Romantisierung und Weiterführung des Krieges. 1919 gründete er gemeinsam mit anderen Aktivist_innen die Initiative Nie wieder Krieg.

„Wir können nicht an das Gewissen der Welt appellieren, wenn unser eigenes Gewissen schläft.“
– Carl von Ossietzky

Von 1926 an war er zunächst Autor, dann Herausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne, die während der Weimarer Republik als wichtigstes Forum der bürgerlichen demokratischen Linken die politische Öffentlichkeit prägte.

Aufgrund eines Artikels über die geheime Aufrüstung der Reichswehr, den er als Redakteur verantwortete, wurde Carl von Ossietzky 1932 wegen Landesverrats zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, kam jedoch durch eine Amnestie frei. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lehnte er es ab, zu emigrieren. Kurz danach wurde er erneut verhaftet, gefoltert und in einem Konzentrationslager inhaftiert. 1936 erhielt er den Friedensnobelpreis rückwirkend für 1935 zuerkannt. Die Gestapo weigerte sich jedoch, ihn zur Preisverleihung nach Oslo reisen zu lassen. Er starb im Mai 1938 an den Folgen der Haft.

Von der Nachwelt wurde der Friedensnobelpreisträger wenig gewürdigt. In der BRD verhinderte der verbreitete Antikommunismus nach dem Krieg einen unverstellten Blick auf seine Verdienste. In der DDR wurde versucht, seinen bedingungslosen Pazifismus zu relativieren. Heute ist Carl von Ossietzky ist ein wichtiges Beispiel für den frühen Einsatz gegen den Krieg und für Meinungsfreiheit.

Zur Reflexion: Welche Rolle spielt Meinungsfreiheit heute für Frieden?

Öffentliche Verkehrsmittel
U1, U9 Zoologischer Garten
U1 Uhlandstraße
S5, S7, S75 Zoologischer Garten
Bus M49, X34 Uhlandstraße/Kantstraße
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
8 Minuten zu Fuß