Rosenstraßen-Protest

Hier fand 1943 die einzige öffentliche Aktion des Widerstands gegen Deportationen im nationalsozialistischen Deutschland statt. Heute ist der Rosenstraßen-Protest ein Symbol für die Kraft des zivilen Ungehorsams

An diesem Ort befand sich 1943 ein Verwaltungsgebäude der Jüdischen Kultusvereinigung. Am 27. Februar 1943 leiteten die Nationalsozialisten eine große Verhaftungsaktion zur Deportation aller noch im Reichsgebiet befindlichen, nicht privilegierten deutschen Juden und zur Erfassung der sogenannten „Halbjuden“ und der in „Mischehe“ lebenden Juden ein. Mehr als tausend jüdische Zwangsarbeiter, die mit nichtjüdischen Frauen verheiratet waren, wurden in das Gebäude in der Rosenstraße 2 – 4 gebracht und dort festgehalten.

Noch am selben Tag begannen in einer für die Zeit des Nationalsozialismus beispiellosen Protestaktion Angehörige der verhafteten Juden, sich vor dem Gebäude zu versammeln. Zeitzeug_innen berichten von bis zu sechstausend protestierenden Menschen, in ihrer großen Mehrheit Frauen, die Tage und Nächte vor dem Gebäude ausharrten und lautstark die Freilassung ihrer Männer forderten.

SS-Männer drohten, die Frauen zu erschießen. Doch die Frauen kamen immer wieder

Regimekritische Demonstrationen waren seit 1933 verboten. Die Wachen der SS (Schutzstaffel) drohten, die protestierenden Frauen zu erschießen. Immer wieder mussten die Frauen in die umliegenden Straßen ausweichen, immer wieder kehrten sie zurück.

Am 6. März 1943 wurden die in der Rosenstraße inhaftierten Juden aus Mischehen auf Befehl von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels freigelassen.

Der Rosenstraßen-Protest gilt als einzige öffentliche Aktion des Widerstands gegen Deportationen, die es im nationalsozialistischen Deutschland gab und ist zu einem symbolischen Ort für die Kraft des zivilen Ungehorsams geworden.

Das Verwaltungsgebäude in der Rosenstraße 2-4 wurde später bei einem Fliegerangriff zerstört.

Heute erinnern die mehrteilige Skulptur Der Block der Frauen von Ingeborg Hunzinger und eine Gedenk-Litfaßsäule mit Informationen an den Rosenstraßen-Protest. Die Litfaßsäule steht an derselben Stelle, an dem auch 1943 eine Litfaßsäule stand und von der Zeitzeug_innen berichten, dass sie ihnen bei den Protesten als Schutz diente.

Im Hotel Alexander Plaza Berlin in der Rosenstraße 1 informiert eine kleine Ausstellung mit Fotos und Texten über die Geschichte der Straße.

Zur Reflexion: Was sind heute Orte des Widerstands und des zivilen Ungehorsams?

Zusätzliche Informationen
Rosenstraßen-Protest www.rosenstrasse-protest.de
Öffentliche Verkehrsmittel
S5, S7, S75 Hackescher Markt
Tram M1, M4, M5, M6 Hackescher Markt
Bus M48 100, 200, TXL Spandauer Straße/Marienkirche
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
6 Minuten zu Fuß