May Ayim Ufer

Mehr als 100 Jahre lang ehrte diese Straße einen „Pionier“ der Kolonialzeit – heute würdigt sie die afrodeutsche Aktivistin, Künstlerin und Wissenschaftlerin May Ayim, die sich gegen Rassismus einsetzte

Am 27. Februar 2010 wurde diese Straße im Bezirk Kreuzberg in May-Ayim-Ufer umbenannt und eine Gedenktafel mit Informationen über die afrodeutsche Dichterin und Pädagogin May Ayim (*1960 † 1996) eingeweiht. May Ayim war eine antirassistische und feministische Aktivistin, die in ihren wissenschaftlichen Arbeiten und mit ihrer Lyrik kolonialistische Vorstellungen und Alltagsrassismus in Deutschland kritisierte. Sie war Gründungsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD).

Von 1895 bis 2010 trug die Straße den Namen Groebenufer, benannt nach Otto Friedrich von der Groeben, dem Gründer der ersten brandenburgischen Kolonie im heutigen Ghana. Das Fort Groß-Friedrichsburg war im 17. Jahrhundert Stützpunkt für den Handel mit Gütern und für die Deportation versklavter Menschen in die Karibik.

Straßenumbenennungen sind Teil einer postkolonialen Erinnerungskultur gegen Rassismus

Seit 2007 setzt sich ein Bündnis aus verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen für die Umbenennung von Berliner Straßen und Plätzen mit kolonialen Namen ein. In einer Umkehrung der Perspektive sollen diese Orte fortan Menschen ehren, die mit ihrem Wirken zu einer kritischen Auseinandersetzung mit deutschen Kolonialverbrechen und zur Veränderung von rassistischen Strukturen beigetragen haben. Das May-Ayim-Ufer ist die erste Straße, in der dieser Perspektivwechsel durchgesetzt werden konnte.

Maßgeblich beteiligt an den Straßenumbenennungen sind die ISD, der Verein Berlin Postkolonial und der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag. Sie möchten auf diese Weise postkoloniale Erinnerungsarbeit und antirassistische Bildung in Deutschland voranbringen.

Nach wie vor gibt es zahlreiche Straßen und Plätze, die Namen von Personen und Ereignissen aus der Kolonialzeit tragen. Bis heute werden deutsche Kolonialverbrechen im öffentlichen Diskurs oft ausgeblendet oder verharmlost. Die Debatten um Straßenumbenennungen zeigen jedoch auch, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich für eine differenzierte Auseinandersetzung einsetzen und heutigem Alltagsrassismus kritisch entgegentreten.

Zur Reflexion: Welche Spuren des Kolonialismus beobachten wir heute in dem Land, in dem wir leben?
Was hat der Kolonialismus von damals mit rassistischen und ausgrenzenden Strukturen von heute zu tun?

Öffentliche Verkehrsmittel
U1 Schlesisches Tor
Bus 265 Schlesisches Tor
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
15 Minuten mit der U-Bahn