Käthe Kollwitz Museum

Käthe Kollwitz, eine der bekanntesten deutschen Künstlerinnen, thematisierte in ihrer sozialkritischen Kunst Hunger, Krieg und Ausbeutung und unterstützte die pazifistischen Bewegungen ihrer Zeit.

Käthe Kollwitz (*1867 †1945) wurde im preußischen Königsberg geboren. Als junge Frau studierte sie Kunst in Königsberg, Berlin und München, 1891 zog sie mit ihrem Mann nach Berlin. Sie wurde Kunstlehrerin, 1919 dann Professorin und als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.

Käthe Kollwitz beschäftigte sich in ihren Radierungen, Zeichnungen und Holzschnitten mit Armut, Hunger und Obdachlosigkeit, Frauenunterdrückung und dem Aufbegehren gegen Ausbeutung. 1914 starb einer ihrer beiden Söhne als Soldat im Ersten Weltkrieg. Diese Erfahrung brachte sie mit dem Pazifismus in Kontakt, sie äußerte sich öffentlich gegen den Krieg und thematisierte dessen Schrecken fortan in vielen ihrer Werke.

„Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen ratlos und hilfsbedürftig sind.“
– Käthe Kollwitz

Käthe Kollwitz arbeitete für die Internationale Arbeiterhilfe und unterstützte die antimilitaristischen Bewegungen ihrer Zeit. 1924 gestaltete sie das Plakat zum Antikriegstag, der seit dem Ersten Weltkrieg zur Mahnung für Abrüstung und Frieden jährlich veranstaltet wurde. Im selben Jahr schuf sie für die Sozialistische Arbeiterbewegung und die KPD die Plakate Nie wieder Krieg! und Nieder mit dem Abtreibungsparagraphen!

Ein häufiges Motiv in ihrem Werk ist der Schmerz von Eltern über den Verlust ihrer Kinder durch Hunger oder Krieg. Die Skulptur Mutter mit totem Sohn in der – als Erinnerungsort umstrittenen – Neuen Wache in Berlin und das Kriegsmahnmal Trauerndes Elternpaar auf dem Soldatenfriedhof in Vladsloo, wo ihr Sohn begraben liegt, gehören zu ihren berühmtesten Werken.

1936 wurde Käthe Kollwitz zum Austritt aus der Akademie der Künste gezwungen, da sie den Dringenden Appell gegen den Nationalsozialismus mitunterzeichnet hatte. Ihre Werke wurden aus der Akademieausstellung entfernt, was einem Ausstellungsverbot gleichkam. Sie starb 1945, wenige Tage vor Kriegsende, in Moritzburg.

„Wenn ich mich mitarbeiten weiß in einer internationalen Gemeinschaft gegen den Krieg, hab‘ ich ein warmes, durchströmendes und befriedigendes Gefühl“ schrieb sie 1922 in ihr Tagebuch. „Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind“.

Zur Reflexion: Welche Rolle spielt Pazifismus heute in meinem Land?

Öffnungszeiten
Mo-So 11:00–18:00 Uhr
Eintritt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro
Zusätzliche Informationen
Käthe Kollwitz www.kaethe-kollwitz.de
Öffentliche Verkehrsmittel
U1 Uhlandstraße
U9 Kurfürstendamm
Bus M19, M29, X10, 109, 110 Uhlandstraße

 

Carl von Ossietzky

In diesem Haus wirkte Carl von Ossietzky, Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“. Als Journalist und Pazifist warnte er vor Militarismus und Nationalismus in der Weimarer Republik und erhielt 1936 den Friedensnobelpreis.

Carl von Ossietzky (*1889 †1938), Schriftsteller und Symbolfigur des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime, war ein genauer Beobachter und scharfsinniger Analyst der politischen Verhältnisse seiner Zeit. Bereits im Kaiserreich forderte er mehr Demokratisierung, warnte früh vor der Gefahr eines heraufziehenden Krieges und kämpfte gegen Militarismus, Aufrüstung und Kriegshetze.

Carl von Ossietzky veröffentlichte 1911 seinen ersten Artikel in der Zeitung Das freie Volk. Im Jahr 1914 wurde er erstmals wegen „Beleidigung der Militärgerichtsbarkeit“ zu einer Geldstrafe verurteilt. Seine Kriegserlebnisse prägten ihn nachhaltig. Im Ersten Weltkrieg erlebte er die Schlacht von Verdun. Er kehrte als überzeugter Pazifist zurück und schrieb fortan Artikel gegen die Romantisierung und Weiterführung des Krieges. 1919 gründete er gemeinsam mit anderen Aktivist_innen die Initiative Nie wieder Krieg.

„Wir können nicht an das Gewissen der Welt appellieren, wenn unser eigenes Gewissen schläft.“
– Carl von Ossietzky

Von 1926 an war er zunächst Autor, dann Herausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne, die während der Weimarer Republik als wichtigstes Forum der bürgerlichen demokratischen Linken die politische Öffentlichkeit prägte.

Aufgrund eines Artikels über die geheime Aufrüstung der Reichswehr, den er als Redakteur verantwortete, wurde Carl von Ossietzky 1932 wegen Landesverrats zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, kam jedoch durch eine Amnestie frei. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lehnte er es ab, zu emigrieren. Kurz danach wurde er erneut verhaftet, gefoltert und in einem Konzentrationslager inhaftiert. 1936 erhielt er den Friedensnobelpreis rückwirkend für 1935 zuerkannt. Die Gestapo weigerte sich jedoch, ihn zur Preisverleihung nach Oslo reisen zu lassen. Er starb im Mai 1938 an den Folgen der Haft.

Von der Nachwelt wurde der Friedensnobelpreisträger wenig gewürdigt. In der BRD verhinderte der verbreitete Antikommunismus nach dem Krieg einen unverstellten Blick auf seine Verdienste. In der DDR wurde versucht, seinen bedingungslosen Pazifismus zu relativieren. Heute ist Carl von Ossietzky ist ein wichtiges Beispiel für den frühen Einsatz gegen den Krieg und für Meinungsfreiheit.

Zur Reflexion: Welche Rolle spielt Meinungsfreiheit heute für Frieden?

Öffentliche Verkehrsmittel
U1, U9 Zoologischer Garten
U1 Uhlandstraße
S5, S7, S75 Zoologischer Garten
Bus M49, X34 Uhlandstraße/Kantstraße
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
8 Minuten zu Fuß

 

LGBT Denkmal

Zwei Gedenktafeln erinnern an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung und an eine Geschichte des beharrlichen selbstbestimmten Eintretens für Menschenrechte und sexuelle Vielfalt.

Seit 2011 erinnern zwei Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer an die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung, die sich vor mehr als hundert Jahren in Berlin bildete. Gewürdigt werden Menschen, die sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Entkriminalisierung von Homo- und Transsexualität und für ein gleichberechtigtes und respektvolles Zusammenleben einsetzten. Die Tafeln wurden auf Initiative des deutschen Lesben- und Schwulenverbands aufgestellt.

Der jüdische homosexuelle Arzt Magnus Hirschfeld (*1868 †1935) gründete 1897 zusammen mit anderen Engagierten in Berlin das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK), die weltweit erste Organisation, die sich für die Aufhebung antihomosexueller Strafgesetze nach Paragraph 175 einsetzte und die Öffentlichkeit über gleichgeschlechtliche Liebe aufklärte. Das WhK trug maßgeblich dazu bei, dass in den Jahren der Weimarer Republik in Berlin eine breitere Akzeptanz sexueller Vielfalt entstand. 1919 eröffnete Magnus Hirschfeld mit Kollegen in dieser Straße das Institut für Sexualwissenschaft. 1933 wurde es von Nationalsozialisten zerstört und geplündert, Hirschfeld starb zwei Jahre später im französischen Exil.

Erinnern an lange verschwiegene Opfer

Zehntausende homosexuelle Männer wurden von den Nationalsozialisten in Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt und gefoltert, viele starben. Ein Denkmal im Tiergarten und eine Gedenkplakette am Nollendorfplatz erinnern heute an die lange Zeit verschwiegenen Opfer. Das Schwule Museum* informiert über die Verfolgung und jahrzehntelange Verdrängung homosexuellen Lebens in die Unsichtbarkeit. Der Paragraph 175 blieb nach dem Ende des NS-Regimes in veränderter Form erhalten und wurde erst 1994 abgeschafft.

Noch heute sind Lesben, Schwule und Menschen mit Transidentitäten mit Vorurteilen, Diskriminierung und Gewalt konfrontiert. Zugleich wächst in Deutschland die politische und gesellschaftliche Akzeptanz sexueller Diversität. So ist die Geschichte der homosexuellen Emanzipationsbewegung bis heute eine Geschichte des selbstbestimmten Eintretens für Menschenrechte und Vielfalt.

Zur Reflexion: Welche Rolle spielen Emanzipationsbewegungen für eine friedliche Gesellschaft?

Öffentliche Verkehrsmittel
S5, S7, S75 Bellevue
Bus 100, 187 Schloß Bellevue
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
22 Minuten mit dem Bus

 

Sinti-Roma Denkmal

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma zeigt, wie sich Erinnerung im Spiegel der Gegenwart verändert und lädt uns ein, ein Bewusstsein für Ausgrenzung und Menschenrechtsschutz heute zu entwickeln.

Direkt gegenüber dem Reichstag, dem Sitz des deutschen Parlaments, ist im Jahr 2012 ein neuer zentraler Erinnerungsort errichtet worden: Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas des Künstlers Dani Karavan.

Hunderttausende Sinti, Roma und Menschen anderer Zugehörigkeiten wurden zwischen 1933 und 1945 unter der Rassenideologie der Nationalsozialisten verfolgt und ermordet. Nach dem Krieg blieben sie in beiden Teilen Deutschlands aus der offiziellen Gedenkkultur ausgeschlossen. Erst auf das beharrliche Bestreben des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma wuchs Jahrzehnte nach Kriegsende das öffentliche Bewusstsein und mit ihm die Bereitschaft der Bundesregierung, einen Erinnerungsort einzurichten.

„Eine Mahnung für die Zukunft, sich für den Schutz von Minderheiten einzusetzen.“

Direkt gegenüber dem Parlament, dem Zentrum der demokratischen Willensbildung, hat das Denkmal einen symbolisch zentralen Ort. Es soll, so die Geleitworte, nicht nur die Opfer ehren, „sondern (…) auch für die Zukunft eine eindringliche Mahnung und Aufforderung (sein), gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma anzugehen“ und dazu aufrufen, sich den Menschenrechten und dem Schutz von Minderheiten zu verpflichten.

Die späte Errichtung dieses Denkmals spiegelt wider, wie Erinnern und Gedenken stets von den Debatten der Gegenwart geprägt sind, sich im Laufe der Zeit verändern und neu konfigurieren. Erinnerung ist immer vielstimmig: Jenseits des offiziellen Gedenkens gibt es vielfältige alternative Erinnerungen, die oftmals erst auf die langjährige Initiative einzelner Gruppen hin sichtbar gemacht werden.

Viele in Deutschland lebende Sinti und Roma erleben heute strukturelle Benachteiligung, rassistische Ausgrenzung oder gar direkte Angriffe. Die Errichtung eines Denkmals allein reicht noch lange nicht aus, um gesellschaftliche Strukturen von Diskriminierung zu verändern.

Doch Orte wie dieser laden uns ein, das Erinnern von Vergangenem mit einem Bewusstsein für Ausgrenzungen in der Gegenwart zu verbinden und uns heute für ein inklusives Verständnis von Vielfalt und Menschenrechten in unserer Gesellschaft einzusetzen.

Zur Reflexion: Welche Erfahrungen ausgegrenzter Gruppen sind in unserer heutigen Gedenkkultur ausgeblendet?

Zusätzliche Informationen
Denkmalstiftung www.stiftung-denkmal.de/denkmaeler/denkmal-fuer-die-ermordeten-sinti-und-roma.html
Öffentliche Verkehrsmittel
U55 Brandenburger Tor
S5, S7, S75 Brandenburger Tor
Bus M85, 100 Reichstag/Bundestag
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
20 Minuten mit der U-Bahn

 

Bernauer Straße

Die Kapelle greift den Namen der gesprengten Versöhnungskirche auf und verbindet ihn mit dem Versöhnungsauftrag der Gedenkstätte im ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer

Am 13. August 1961 begann die Regierung der DDR mit dem Bau der Mauer in Berlin. In den Folgejahren wurde sie zu einem komplexen System der Grenzsicherung ausgebaut, das die Abwanderung von Menschen nach Westdeutschland verhindern sollte. Mindestens 136 Menschen starben bis 1989 bei Fluchtversuchen an der Berliner Mauer, 90 von ihnen wurden an der Grenze erschossen.

Das 1,3 Kilometer lange Ensemble der Gedenkstätte Berliner Mauer dokumentiert den Mauerbau und seine Folgen, die die Schicksale vieler Menschen bestimmten: Familien und Freunde wurden getrennt, Lebenspläne durchkreuzt, der Stadtraum durchschnitten. Nach Beginn des Mauerbaus flüchteten viele Ostberliner_innen über die Häuser der Bernauer Straße, wo die Grenzlinie direkt entlang der Häuserfront verlief.

Der Gedenkort lädt zur Reflexion über die friedliche Überwindung von Grenzen ein

Die Versöhnungskirche lag direkt auf dem Grenzstreifen der Berliner Mauer und war für die Gemeinde nicht mehr erreichbar. 1985 wurde sie von der DDR-Regierung gesprengt. Auf ihren Fundamenten wurde im Jahr 2000 als ein Ort der Besinnung und Andacht die Kapelle der Versöhnung eingeweiht. Das Roggenfeld neben der Kapelle stellt den Kreislauf von Säen, Wachsen und Tod dar. Es ist ein Symbol für die Rückkehr von Leben auf den ehemaligen Todesstreifen und die Transformation dieses Ortes.

Die Gedenkstätte zeigt eine umfangreiche Dauerausstellung zur Geschichte der Berliner Mauer. Es befinden sich hier das Besucherzentrum, das Dokumentationszentrum, die Kapelle der Versöhnung, ein Abschnitt der ehemaligen Grenzanlage und verschiedene künstlerisch gestaltete Erinnerungsorte. Die Gedenkstätte organisiert auch Veranstaltungen und Bildungsangebote und führt Forschungsprojekte zur deutsch-deutschen Teilung durch.

Die Besucher_innen finden hier einen Ort der Erinnerung an die friedliche Überwindung der Teilung. Die Gedenkstätte schafft Raum zur Reflexion über Grenzen und über ihre Überwindung in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Sie ist auch ein Ort, der dazu einlädt, über Formen friedlichen Protestes und die Möglichkeiten der Veränderung unserer Gesellschaft nachzudenken.

Zur Reflexion: Welche sichtbaren oder unsichtbaren Grenzen trennen heute Menschen in Berlin oder in meiner Stadt voneinander?

Öffnungszeiten
Besucherzentrum und Dokumentationszentrum
April–Oktober Di–So 9:30-19:00 Uhr
November–März Di–So 9:30-18:00 Uhr
Das Dokumentationszentrum ist bis November 2014 wegen Bauarbeiten geschlossen. Der Turm am Besucherzentrum ist in dieser Zeit Mo-So 9:30-16:30 Uhr geöffnet.
Eintritt frei
Zusätzliche Informationen
Gedenkstätte Berliner Mauer www.berliner-mauer-gedenkstaette.de
Öffentliche Verkehrsmittel
U6 Naturkundemuseum
U8 Bernauer Straße
S1, S2, S25 Nordbahnhof
Tram M10 Nordbahnhof/Gedenkstätte Berliner Mauer
Bus 245, 247
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
20 Minuten mit der U-Bahn

 

Haus Schwarzenberg

Das Haus Schwarzenberg beherbergt verschiedene Orte des Gedenkens an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus wie auch des künstlerischen Schaffens in der Gegenwart. Es ist ein Raum für Vielfalt, Offenheit und Zivilcourage

Das Haus Schwarzenberg verbindet das Gedenken an Vergangenes mit Initiativen, die Gegenwart und Zukunft gestalten und Freiräume für unabhängige moderne Kunst schaffen. Die hier versammelten Gruppen und Personen setzen sich für die Gestaltung einer friedlichen und lebenswerten Stadt ein.

Mehrere Gedenkorte befinden sich hier: Die Gedenkstätte Stille Helden erinnert an jüdische Menschen, die von 1933 bis 1945 von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten bedroht waren und an diejenigen, die ihnen dabei halfen, sich der Bedrohung durch eine Flucht in den Untergrund zu entziehen. In Deutschland überlebten etwa 5.000 Untergetauchte mit Hilfe von Menschen, die sie unterstützten.

Ein Beispiel für diese Unterstützung in Berlin ist der Kleinfabrikant Otto Weidt, an dessen Wirken das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt erinnert. Er bemühte sich, seine Arbeiter_innen vor Verfolgung und Deportation zu schützen und versteckte einige von ihnen im Hinterraum seiner Blindenwerkstatt, der im Originalzustand gezeigt wird.

Die Beispiele der Unterstützer_innen zeigen, dass es auch im Dritten Reich Handlungsspielräume für Zivilcourage und gelebte Solidarität mit den Verfolgten gab.

Ein Ort an dem sich Gedenken und Zukunftsgestaltung verbinden

Das Anne-Frank-Zentrum erinnert an das Leben des jüdischen Mädchens Anne Frank und bietet Workshops für Jugendliche und Weiterbildungsveranstaltungen für Pädagog_innen an. Es engagiert sich mit seiner Arbeit für Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie und gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung.

Der Verein Haus Schwarzenberg bietet ein Forum für avantgardistische Kunst, Graffiti und Street Art und vermietet Ateliers und Galerieräume an internationale Künstlerinnen und Künstler. Er unterstützt damit die Erhaltung einer vielfältigen internationalen Berliner Kunstszene. Die Galerie Neurotitan präsentiert Arbeiten von Künstler_innen und Musiker_innen, die sich außerhalb des Mainstreams verorten.

Im Haus Schwarzenberg begegnen sich Geschichte und Gegenwart. Hier haben sich Bürger_innen mobilisiert, um gelebte Solidarität der Vergangenheit zu würdigen und Räume für neues kulturelles Leben zu öffnen.

Zur Reflexion: Welches sind heute Formen des zivilen Widerstandes und der Zivilcourage?

Öffnungszeiten
Anne Frank Zentrum
Di–So 10:00–18:00 Uhr
Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
Galerie Neurotitan
Mo–Sa 12:00–20:00 Uhr, So 14:00–19:00 Uhr
Eintritt frei
Gedenkstätte Stille Helden
Mo–So 10:00–20:00 Uhr
Eintritt frei
Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
Mo–So 10:00–20:00 Uhr
Eintritt frei
Öffentliche Verkehrsmittel
U8 Weinmeisterstraße
S5, S7, S75 Hackescher Markt
Tram M4, M5, M6 Hackescher Markt
Tram M1, 12 Weinmeisterstraße/Gipsstraße
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
20 Minuten mit U-Bahn oder Tram

 

Stolpersteine

Das Projekt Stolpersteine trägt das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus in unseren heutigen Alltag und lädt dazu ein, sich aktiv am Gedenken zu beteiligen.

Das Projekt Stolpersteine ist eine neue Form des Gedenkens im öffentlichen Raum – eingebunden in unseren Alltag und vielleicht gerade deshalb besonders eindrücklich. Überall in Berlin „stolpern“ wir vor Hauseingängen über kleine, in den Bordstein eingelassene Messingquadrate. Auf den Gedenktafeln sind die Worte „Hier wohnte…“ mit Namen, Geburts- und Todesdaten eingraviert. Jeder Stolperstein erinnert an einen Menschen, der an diesem Ort gelebt hat und von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet, ins Exil oder in den Suizid getrieben wurde. Um im Gedenken die Familien wieder „zusammenzuführen“ werden auch überlebende Familienangehörige einbezogen.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, so lautet das dem Talmud entlehnte Leitmotiv des Projekts, das der Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen hat.

Zentraler Bestandteil der Stolperstein-Idee ist, dass jeder und jede eingeladen ist, sich zu beteiligen und die Verlegung eines weiteren Steins anzuregen: Dies bedeutet, die Geschichte der Person, an die erinnert werden soll, zu recherchieren (das Stolperstein-Projekt stellt hierfür Informationen zur Verfügung), die Materialkosten für die Verlegung aufzubringen und damit die Patenschaft für den Stein zu übernehmen. So wird das Gedenken zu einem kollektiven Akt, ein Gedenken, das erst durch die Beteiligung der Menschen sichtbar und möglich wird.

Viele Menschen haben bereits die Initiative ergriffen, Anwohner_innen, Angehörige, Schulklassen… Mehr als 4.700 Stolpersteine gibt es derzeit in Berlin, insgesamt sind mehr als 40.000 der persönlichen Mahnmale verlegt worden, an über 860 Orten in Deutschland, außerdem in Österreich, Ungarn, den Niederlanden, Belgien, Tschechien, Polen, Slowenien, Italien, Norwegen, der Ukraine, der Slowakei, Luxemburg, Russland und Kroatien.

Die Stolpersteine gelten als das weltweit größte dezentrale Mahnmal. Sie tragen die Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in unsere heutige Zeit und sind zugleich ein Aufruf an alle, selbst aktiv zu werden und sich am Gedenken zu beteiligen.

Zur Reflexion: Welche Bedeutung hat das Erinnern an vergangenes Unrecht für unser heutiges Zusammenleben?

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

Zusätzliche Informationen
Stolpersteine www.stolpersteine.com
Öffentliche Verkehrsmittel
U8 Weinmeisterstraße
S5, S7, S75 Hackescher Markt
Tram M4, M5, M6 – Hackescher Markt
Tram M1, 12 Weinmeisterstraße/Gipsstraße
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
0 Minuten

 

Rosenstraßen-Protest

Hier fand 1943 die einzige öffentliche Aktion des Widerstands gegen Deportationen im nationalsozialistischen Deutschland statt. Heute ist der Rosenstraßen-Protest ein Symbol für die Kraft des zivilen Ungehorsams

An diesem Ort befand sich 1943 ein Verwaltungsgebäude der Jüdischen Kultusvereinigung. Am 27. Februar 1943 leiteten die Nationalsozialisten eine große Verhaftungsaktion zur Deportation aller noch im Reichsgebiet befindlichen, nicht privilegierten deutschen Juden und zur Erfassung der sogenannten „Halbjuden“ und der in „Mischehe“ lebenden Juden ein. Mehr als tausend jüdische Zwangsarbeiter, die mit nichtjüdischen Frauen verheiratet waren, wurden in das Gebäude in der Rosenstraße 2 – 4 gebracht und dort festgehalten.

Noch am selben Tag begannen in einer für die Zeit des Nationalsozialismus beispiellosen Protestaktion Angehörige der verhafteten Juden, sich vor dem Gebäude zu versammeln. Zeitzeug_innen berichten von bis zu sechstausend protestierenden Menschen, in ihrer großen Mehrheit Frauen, die Tage und Nächte vor dem Gebäude ausharrten und lautstark die Freilassung ihrer Männer forderten.

SS-Männer drohten, die Frauen zu erschießen. Doch die Frauen kamen immer wieder

Regimekritische Demonstrationen waren seit 1933 verboten. Die Wachen der SS (Schutzstaffel) drohten, die protestierenden Frauen zu erschießen. Immer wieder mussten die Frauen in die umliegenden Straßen ausweichen, immer wieder kehrten sie zurück.

Am 6. März 1943 wurden die in der Rosenstraße inhaftierten Juden aus Mischehen auf Befehl von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels freigelassen.

Der Rosenstraßen-Protest gilt als einzige öffentliche Aktion des Widerstands gegen Deportationen, die es im nationalsozialistischen Deutschland gab und ist zu einem symbolischen Ort für die Kraft des zivilen Ungehorsams geworden.

Das Verwaltungsgebäude in der Rosenstraße 2-4 wurde später bei einem Fliegerangriff zerstört.

Heute erinnern die mehrteilige Skulptur Der Block der Frauen von Ingeborg Hunzinger und eine Gedenk-Litfaßsäule mit Informationen an den Rosenstraßen-Protest. Die Litfaßsäule steht an derselben Stelle, an dem auch 1943 eine Litfaßsäule stand und von der Zeitzeug_innen berichten, dass sie ihnen bei den Protesten als Schutz diente.

Im Hotel Alexander Plaza Berlin in der Rosenstraße 1 informiert eine kleine Ausstellung mit Fotos und Texten über die Geschichte der Straße.

Zur Reflexion: Was sind heute Orte des Widerstands und des zivilen Ungehorsams?

Zusätzliche Informationen
Rosenstraßen-Protest www.rosenstrasse-protest.de
Öffentliche Verkehrsmittel
S5, S7, S75 Hackescher Markt
Tram M1, M4, M5, M6 Hackescher Markt
Bus M48 100, 200, TXL Spandauer Straße/Marienkirche
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
6 Minuten zu Fuß

 

Weltfriedensdienst

Der Weltfriedensdienst (WFD) ist eine entwicklungspolitische Organisation, die nach den Prinzipien von Versöhnung, Völkerverständigung und Dialog arbeitet. Der WFD gab der Friedensbewegung in Westdeutschland wichtige Impulse

Der Weltfriedensdienst (WFD) wurde 1959 unter dem Dach des Versöhnungsdienstes als Reaktion auf den Beschluss zur Wiederbewaffnung in der BRD gegründet.

Seine Gründungsmitglieder waren überzeugt, dass nicht Waffen und Abschreckungsdenken die Welt sicherer machen können, sondern dass dafür Versöhnung, Völkerverständigung und Hilfe beim Wiederaufbau in den von der deutschen Armee zerstörten Ländern nötig seien.

Das erste WFD-Projekt war es, ein Team von jungen Leuten zu entsenden, das am Wiederaufbau des von der deutschen Wehrmacht zerstörten griechischen Ortes Servia mitwirkte. In den 60er Jahren begann der WFD seine Arbeit verstärkt in den Ländern des globalen Südens. Die Mitglieder verstehen ihre Arbeit als Engagement gegen die ungleiche Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum und Ressourcen, verursacht durch eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung. In diesem Sinne ist auch die Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter Bevölkerungsgruppen praktizierter Friedensdienst.

Kein Frieden ohne Entwicklung, keine Entwicklung ohne Frieden

Seit 1971 gehört der Weltfriedensdienst zu den von der Bundesregierung anerkannten Entwicklungsdiensten. Ausgebildete Entwicklungs- und Friedensfachkräfte unterstützen seitdem Partnerorganisationen in Afrika, Lateinamerika, Palästina und neuerdings auch Südostasien. Schwerpunkte der Kooperationen sind Bildung und Ausbildung, Frauen- und Menschenrechte, nachhaltiger Ressourcenschutz, Gesundheit und zivile Konfliktbearbeitung. Dabei wird eine gleichberechtigte Zusammenarbeit der Partner angestrebt.

Getragen von der Überzeugung, dass auch im Norden Veränderungen notwendig sind um mehr Gerechtigkeit zu erreichen, engagiert sich der WFD auch in der entwicklungspolitischen Arbeit in Deutschland. Mit entwicklungspolitischer Bildungs-, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit setzt sich der WFD dafür ein, dass in der deutschen Gesellschaft Vorurteile abgebaut werden und das Bewusstsein für die Verantwortung des globalen Nordens wächst.

Der WFD hat mit seiner Arbeit wesentlich dazu beigetragen, das Verständnis von Frieden zu erweitern und den Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit immer wieder aufs Neue in die entwicklungspolitische Debatte einzubringen.

Zur Reflexion: Welche Rolle spielen Nord-Süd-Beziehungen und globale Machtverhältnisse in meinem Verständnis von Frieden?

Öffnungszeiten
nur nach Absprache
Telefon (+49).0.30 253990-0
Zusätzliche Informationen
Weltfriedensdienst www.wfd.de
Öffentliche Verkehrsmittel
U6 Kochstraße
S1, S2, S25 Anhalter Bahnhof
Bus M29 Kochstraße
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
28 Minuten mit der U-Bahn

 

Hedwig Dohm

In diesem Haus wurde die Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Pazifistin Hedwig Dohm geboren. In ihren Essays positionierte sie sich für die Emanzipation von Frauen und gegen Militarismus und Kriegseuphorie des Ersten Weltkriegs

Die Schriftstellerin Hedwig Dohm (*1831 †1919) war eine frühe Vordenkerin des Feminismus. In ihren ironisch-humorvollen Schriften forderte sie die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Hedwig Dohm musste mit 15 Jahren die Schule verlassen, um im Haushalt zu arbeiten, während ihre Brüder das Gymnasium besuchten. Später machte sie eine Ausbildung zur Lehrerin, heiratete und wurde Mutter von fünf Kindern. In den 1870er Jahren erschienen ihre ersten feministischen Aufsätze, die sie berühmt machten.

Finanzielle Selbständigkeit, so schrieb sie, sei der einzige Weg für Frauen, um nicht im „Ehegefängnis“ zu landen, sondern selbstbestimmt über das eigene Leben zu entscheiden. Hausarbeit und Kinderziehung sollten durch Institutionen erledigt werden, um Müttern zu ermöglichen, weiter ihrem Beruf nachzugehen. Sie war eine der ersten, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf kulturelle Prägung statt auf biologische Bestimmung zurückführte.

„Die Menschenrechte haben kein Geschlecht.”
– Hedwig Dohm

Hedwig Dohm forderte das Frauenwahlrecht und gleiche Bildung für Mädchen und Jungen. Sie war Mitbegründerin mehrerer Vereine, die sich für Frauenstudium, sexuelle Aufklärung und die Rechte von Müttern einsetzte. Besonders bekannt geworden ist ihr Essay Die Antifeministen, in dem sie die Ideologien zeitgenössischer Vordenker sezierte und deren Furcht vor dem weiblichen Geschlecht als Verteidigung von Machtansprüchen entlarvte. Mit ihren feministischen Schriften erntete sie heftige Kritik, nicht nur von den „Herrenrechtlern“, sondern auch aus den Reihen der bürgerlichen Frauenbewegung, der ihre Thesen zu radikal waren.

In ihren späten Essays positionierte sich Hedwig Dohm als überzeugte Pazifistin. Sie gehörte zu den wenigen Intellektuellen, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs gegen die verbreitete Kriegseuphorie anschrieben.

Die Einführung des Wahlrechts für Frauen in Deutschland erlebte sie noch. Nach ihrem Tod geriet ihr Werk in Vergessenheit und wurde erst von Feministinnen der 1970er Jahre wiederentdeckt. Heute ehrt der Journalistinnen-Bund mit der Hedwig-Dohm-Urkunde jedes Jahr eine Journalistin für ihr frauenpolitisches Engagement.

Zur Reflexion: Wie steht es heute um Chancen und Rechte von Frauen in unserer Gesellschaft?

Öffentliche Verkehrsmittel
U1 Hallesches Tor
U6 Kochstraße
Bus M41, 248 Hallesches Tor
Bus M29 Kochstraße
Wegzeit zur nächsten Friedensweg-Station
1 Minute zu Fuß